Chronologie des Lebens von Hildegard Knef

 

1925 – 1949

Für die Richtigkeit der Angaben übernimmt der Autor keine Haftung

 

1925

28.12.:

Hildegard Frieda Albertine Knef wird als Tochter des 28-jährigen Tabakkaufmanns flämischer Herkunft, Hans Theodor Knef und seiner Gattin, der gebürtigen Berlinerin, Sekretärin und späteren Inhaberin eines Zigarren- bzw. Schokoladengeschäfts Frieda Auguste, geb. Groehn, in Ulm, Turmgasse, morgens um 4:02 Uhr (nach anderen Quellen um 5:15 Uhr) geboren und einige Wochen später im Ulmer Münster evangelisch getauft; der Vater machte der Mutter Vorwürfe, dass sie keinen „Stammhalter“ geboren habe; ihr geliebter Großvater Karl war polnisch-ostpreußischer Abstammung und verbrachte seine Sommer in einer Laube in der Dahlewitzer Str. 43 im Berliner Vorort Zossen, wo sich Hildegard als Mädchen oft aufgehalten hat (später besuchte sie ihn häufig in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg, Frobenstraße 13).

1926

6.6.:

Vater Hans Theodor stirbt in Ulm an den Folgen der Syphilis, nachdem ihm drei Tage zuvor ein Abszess an den Mandeln entfernt worden war.

Juni:

Mutter und Tochter ziehen nach Berlin-Schöneberg, in die Sedanstraße 33 (heute: Leberstraße 33) und wenige Monate später in die Nr. 68, 3. OG, 2 Zimmer (in derselben Straße, heutige Nr. 69, wurde 1901 Marlene Dietrich geboren); während der Kriegszeit wohnt der Großvater dort mit ihr.

1931

April:

Erster Schultag (Berlin-Wilmersdorf).

1932

Erkrankung an Kinderlähmung und rheumatischem Fieber.

1933

Sommer:

Mutter Frieda heiratet erneut, den Schuhmachermeister und Lederfabrikbesitzer Wilhelm Wulfestieg aus Hannover (der Hildegard allerdings nicht adoptiert); da Wulfestiegs Fabrik-Partner jüdisch war, durfte er nur ein Schuhmachergeschäft in Berlin betreiben (in der Bernhardstraße im Stadtteil Friedenau); Frieda und Hildegard ziehen ins Nachbarhaus, Bernhardstraße 5 (später in die Nr. 6); die kleine Hildegard hatte zunächst große Angst vor Wulfestieg („weil er so klobige Hände hatte“); sie und ihre Mutter helfen im Laden mit aus.

1934

8-jährig beginnt Hildegard Knef erste Portraits zu zeichnen, vorwiegend von alten Menschen.

1935

20.8.:

Ihr Halbbruder Heinz Wulfestieg, später Jazzmusiker (Trompete), wird in Berlin geboren; das Kind leidet unter einem angeborenen Herzfehler. Er stirbt mit 43 Jahren, am 29.8.1978 in Berlin.

1936

Hildegard Knef besucht das Rückert-Lyzeum in Berlin-Schöneberg, Mettestraße 8; mit ihrer Schulklasse erlebt sie einen Wettbewerbstag bei den Olympischen Spielen in Berlin.

1939

Sommer:

Kiefer- und Nasenoperationen (Nasenbeinbruch nach einem Schlag von ihrer Mutter).

Herbst:

Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges im Ernteeinsatz mit ihren Schulkameraden.

1940

Frühjahr:

Konfirmation in der ev. Dorfkirche Berlin-Schöneberg.

1941

Sommer:

15-jährig verlässt Hildegard Knef mit mittlerer Reife die Schule; ihre Mutter hatte den Besuch einer Handelsschule für sie vorgesehen.

1942

Frühjahr:

Beginn ihrer Ausbildung als Zeichnerin in der Malabteilung der UFA-Filmstudios in Berlin-Mitte, am ehem. Dönhoffplatz – finanziert durch ein Stipendium, das sie sich durch erfolgreiche Teilnahme an einem UFA-Preisausschreiben für Zeichnerinnen erwirbt; abends Tätigkeit für die Trickfilmabteilung.

1943

Anfang Juli:

Probeaufnahmen für die Schauspiel-Abteilung der UFA, die ihr von Personalchefin Else Bongers ermöglicht wurden.

13.8.:

Hildegard Knef macht UFA-Chef Wolfgang Liebeneiner in der Hauskantine auf sich aufmerksam, und erkundigt sich nach dem Ergebnis ihrer Schauspiel-Probeaufnahmen.

14.8.:

Hildegard Knef erhält einen durch ein Stipendium finanzierten Vertrag über eine Ausbildung zur Schauspielerin an der Staatlichen Filmschule Potsdam-Babelsberg in der Klasse von Karl Meixner; sie erhält 300 Reichsmark monatlich; die Ausbildung umfasst auch Unterricht in Ballett, Gesang und Fechten.

Herbst:

Mutter und Halbbruder werden nach Uelzen in Niedersachsen evakuiert, Hildegard bleibt bei ihrem Stiefvater in der Bernhardstraße.

1944

Mai:

Hildegard Knef erhält ihre erste Filmrolle im Film Träumerei (Szenen wurden herausgeschnitten), es folgen weitere Rollen im Film Unter den Brücken (ein halber Drehtag; in Deutschland erstmals am 15.9.1950 in Göttingen gezeigt) und im UfA-Ausbildungsfilm Schauspielschule.

8.6.:

Erste kleine Theaterrolle im Stück Der kleine Herr Niemand in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin; währenddessen Beginn ihrer ca. einjährigen Beziehung zum 18 Jahre älteren Ewald von Demandowsky, dem (verheirateten) Produktionschef der zweitgrößten deutschen Filmgesellschaft „Tobis“ – ihrer ersten großen Liebe.

Juli:

Else Bongers kann verhindern, dass Hildegard Knef eine private Einladung von Joseph Goebbels annehmen muss.

August:

Erste Hauptrolle im Film Fahrt ins Glück (uraufgeführt 1948), der in Babelsberg und am Attersee in Österreich gedreht wird.

Spätsommer:

Mit ihrer UfA-Klasse sonntags Soldatenbetreuung bei den Fallschirmjägern in Gardelegen (bei Stendal) und in Rathenow; dabei trägt sie das Lied „Unter einem Regenschirm am Abend“ vor.

Winter:

Eine Bombe zerstört das Wohnhaus in der Bernhardstraße; Hildegard Knef findet Unterkunft in Berlin-Zehlendorf, Teltower Damm 5, bei dem österreichischen UfA-Mitarbeiter Fritz Dippert und seiner Frau Alike.

1945

Februar:

Hildegard Knef verkleidet sich als Soldat und will mit mit ihrem Liebhaber Demandowsky als Teil einer Volkssturmtruppe aus dem umkämpften Berlin zu ihrer Mutter in der Lüneburger Heide fliehen; in einem Haus Kurfürstendamm/Albrecht-Achilles-Straße in Berlin-Wilmersdorf wird sie von SS-Männern aufgehalten, die sie wegen „Entfernens von der Truppe“ zum Tod durch den Strang verurteilen, sie offenbart sich als Mädchen und wird freigelassen; auf der Flucht – Hildegard Knef wieder als Junge verkleidet, mit dem Decknamen „Heinz“ – geraten die beiden bei Friesack (westliches Havelland, kurz vor der Elbe) in die Hände polnischer Partisanen; sie wird in ein sowjetisches Lager in Polen gebracht, mit 40.000 weiteren Gefangenen; dort erfährt sie, dass Demandowsky Nazi war (dieser ist seitdem verschollen); nach der Aufdeckung, dass sie ein Mädchen ist, kommt sie in Einzelhaft; sie erkrankt an Typhus und verletzt sich durch den versehentlichen Gewehrkolbenschlag eines russischen Soldaten den Kiefer, was später zwanzig Operationen notwendig machte; ihr gelingt nach 3 Monaten die Flucht nach Berlin; dort findet sie Anfang Juni nach Vermittlung von Else Bongers Unterschlupf in der Villa des Schauspielers Victor de Kowa in Berlin-Ruhleben, Wacholderweg 7 b („Haus auf dem Hügel“) [andere Quellen: Wacholderweg 27], bevor sie eine Wohnung in Berlin-Zehlendorf, Kleiststraße 9, mietet.

16.6.:

Erster Theaterauftritt nach dem Krieg, in dem Kabarettprogramm Heute Abend um sechs mit Victor de Kowa in der Charlottenburger „Tribüne“ (wo sie erstmals das 1963 veröffentlichte Lied So oder so ist das Leben singt); am Tag der Premiere erfährt Hildegard Knef, dass sich ihr geliebter Großvater Karl 79-jährig das Leben genommen hat; weitere Auftritte folgen im Stück Raub der Sabinerinnen der Gebrüder Schönthan am Renaissance-Theater, unter der Regie von Karl Heinz Martin.

3.11.:

Hildegard Knef trägt zur Einweihung des Schlosspark-Theaters in Berlin-Steglitz Goethes „Der Anfang ist in allen Sachen schwer“ vor, den Prolog des Stückes Hokuspokus von Curt Goetz; Regie führt Boleslaw Barlog, der die Knef auf dem S-Bahnhof Berlin-Wannsee entdeckt hatte; während der Aufführungen lernt sie Kurt Hirsch kennen, einen US-Amerikaner jüdisch-tschechischer Herkunft und zu diesem Zeitpunkt US-Kontrolloffizier für das Filmwesen im besetzten Deutschland (später Assistent von Filmproduzent Eric Pommer).

8.12.:

Premiere des Stücks Ein Spiel um Tod und Liebe von Romain Rolland, ebenfalls am Schlosspark-Theater unter Barlog. Hildegard Knef spielt an der Seite von Winnie Markus und darf nach deren Erkrankung vorübergehend die Hauptrolle übernehmen.

1946

11.1.:

Mitwirkung im Stück Danach von Helmut Weiss – der auch Regie führte – am Schlosspark-Theater; wegen der Presse-Verrisse und mangels Publikum wird das Stück bereits nach 21 Aufführungen wieder abgesetzt.

20.2.:

Premiere von Marcel Pagnols Zum goldenen Anker am Schlosspark-Theater (Regie: Barlog); nach Erkrankung der Hauptdarstellerin Gerty Soltau übernimmt Hildegard Knef erneut die Hauptrolle eines Stücks; Philharmoniker-Chef Wilhelm Furtwängler gratuliert der Knef persönlich zum Erfolg.

Ende Februar:

Nachdem sie Regisseur Wolfgang Staudte im Goldenen Anker gesehen hat, engagiert er sie für die Hauptrolle im ersten deutschen Nachkriegsfilm, der DEFA-Produktion Die Mörder sind unter uns, für die vom 16. März bis Juli Dreharbeiten unter dem Arbeitstitel „Der Mann, den ich erschießen werde“ in den Trümmern von Berlin stattfinden.

Frühjahr:

Einzug in eine Wohnung in Berlin-Grunewald, Königsmarckstr. 9; dort Wiedersehen mit Mutter und Halbbruder Heinz.

30.4.:

Darstellung der Celia in William Shakespeares Wie es euch gefällt am Schlosspark-Theater (Regie: Barlog).

16.8.:

291-malige Mitwirkung im Stück Drei Mann auf einem Pferd von J. C. Holm und G. Abbott am Schlosspark-Theater (Regie: Barlog); ihre Darstellung als lispelnde Mabel wird zum Durchbruch für Hildegard Knef als Theaterschauspielerin; Gustav Gründgens sagte beim Verlassen einer Vorstellung: „Ich habe seit Chaplin nicht mehr so gelacht!“.

15.10.:

Premiere von Die Mörder sind unter uns in der Berliner Staatsoper (damals vorübergehend im Admiralspalast untergebracht); der Film ist nicht unumstritten (Hildegard Knef selbst hielt später nicht viel von ihm), wird aber von etwa 4 Millionen Menschen in der sowjetischen Militärzone Deutschlands gesehen; in der BR Deutschland kommt der Film erst 1959 in die Kinos, während er in den USA bereits im August 1948 gezeigt wird.

Winter:

Synchronisationsarbeiten bei der DEFA in Berlin-Johannisthal. Sie spricht sowjetische Filme ein, und synchronisiert auch Lana Turner in dem US-amerikanischen Spielfilm „Ziegfeld Girl“, dt.: „Mädchen im Rampenlicht“.

Winter:

Erster Besuch in der Schweiz (Zürich und St. Moritz).

1947

16.4.:

In München-Geiselgasteig Beginn der Dreharbeiten zum ersten US-lizenzierten Film im Nachkriegsdeutschland, Zwischen gestern und morgen und für Film ohne Titel, dessen Außenaufnahmen in der Lüneburger Heide stattfinden.

10.5.:

Hildegard Knef zum ersten Mal auf dem Titelbild des „Spiegel“ (im Mai 1952 ein zweites Mal).

19.5.:

Erster Bericht eines US-Magazins über Hildegard Knef („Life“: „New German Star: Hilde Knef plays in Berlin films backed by Russians and Americans“ [Neuer deutscher Star: Hilde Knef spielt in Filmen in Berlin, mit Unterstützung von Russen und Amerikanern], 4 Seiten); darin sagt sie, sie würde gerne in Hollywood tätig sein.

4.7.:

Premiere des Stücks O Wildnis! von Eugene O’Neill am Schlosspark-Theater (Regie: Barlog).

Herbst:

Aufgrund der Bemühungen ihrer ersten Managerin, Elli Silman, erstes Film-Angebot aus Hollywood von Produzent David O. Selznick (Silman war vor dem Krieg UfA-Sekretärin, ging dann nach Hollywood ins Exil und kehrte als Filmoffizierin nach Berlin zurück).

Erste Konsultation eines Astrologen in ihrem Leben.

15.12.:

Heirat mit Kurt Hirsch in Berlin-Dahlem (St. Annen-Kirche); Filmproduzent Eric Pommer ist einer der Trauzeugen.

1948

23.1.:

Übersiedlung mit Kurt Hirsch in die USA (zu dessen Eltern in New York, Stadtteil Astoria im Bezirk Queens; nach ihrem Rausschmiss durch den Vater Unterkunft in einer Pension im Bezirk Bronx); bei einem Zwischenstopp in London Unterzeichnung eines Vertrages für Selznick, der ihr 250 US-Dollar die Woche auf 6 Monate sichert.

23.1.:

Am Tag von Hildegard Knefs Abreise in die USA erfolgreiche Premiere von Film ohne Titel im „Marmorhaus“ in Berlin; die Besucher werden von der Verleihfirma per Handzettel gebeten, einen „echten“ Titel zu finden (Belohnung: 3.000 Reichsmark); der Film wird der kommerziell erfolgreichste des Jahres und erhält 1949 den „Bambi“.

27.1.:

Hildegard Knef lernt David O. Selznick in dessen New Yorker Apartment kennen, der ihr aufträgt, täglich 6 Stunden Englisch zu lernen.

1.4.:

Nach mehrtägiger Autofahrt quer durch die USA Ankunft in Hollywood (zunächst Wohnung im South Doheny Drive im Stadtteil Beverly Hills von Los Angeles, später im Benedict Canyon Drive, Beverly Hills); erste Interviews für die amerikanische Presse – das Studio gibt sie als Österreicherin aus und ändert ihren Namen in Hildegarde Neff (nachdem sie Selznicks Vorschlag „Gilda Christian“ verhement ablehnte); außer einigen Probeaufnahmen ereignet sich dort nichts weiter, Selznick produziert keine Filme mehr und legt sie somit auf Eis; der Agent Kurt Frings – bei dem ihr Mann Kurt Hirsch angestellt wird – wird für sie tätig.

Beginn mehrerer enger Freundschaften: mit dem Astrologen Carroll Righter, mit dem Exilanten Ludwig Marcuse, der ihr 2 Jahre lang „literarischen Nachhilfe-Unterricht“ gibt, sowie mit Marlene Dietrich.

1.8.:

Hildegard Knef erscheint auf der Titelseite der ersten Ausgabe des Magazins „Stern“ mit einem Foto aus Film ohne Titel.

1949

Januar:

Preis als beste weibliche Darstellerin für Film ohne Titel bei den Filmfestspielen von Locarno, außerdem erhält der Film den Grand Prix in Mailand (später bezeichnet sie diesen Film als ihren besten).

16.6.:

Zu Dreharbeiten für den Fox-Film „The Big Lift“ mit Montgomery Clift trifft Hildegard Knef wieder in Berlin ein; die ihr zunächst zugedachte Rolle wird jedoch mit Cornell Borchers neu besetzt (angeblich weil diese ihre Liaison mit Ewald von Demandowsky bekannt gemacht hatte); Hildegard Knef fliegt nach 3 Wochen wieder zurück in die USA.

 

 

 

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